Ein Mekka für Sammler und Antiquitäten-Fans
Wer Freude an Antiquitäten, Sammlerstücken und
Secondhand-Artikeln von der ausgesuchten Sorte hat,
der konnte bisher auf Lanzarote kaum etwas von diesen
Dingen zu einem erschwinglichen Preis käuflich erwerben,
einmal ganz abgesehen von dem mageren Angebot auf
diesem auf der Insel kaum existierenden Markt für
solche Gegenstände.
|
 |
|
|
|
Am Samstag, dem 1. April, fanden wir uns in besagtem
Geschäft ein, um an einer dieser Versteigerungen
teilzunehmen, und zumindest ich fühlte mich, schon
beim Betreten dieses Ladens, in die Zeit meiner
Studentenjahre versetzt, als wir in Münchens weniger
nobelen, dafür aber um so interessanteren Antiquitätenläden
schmöckerten, um den einen oder anderen Gegenstand
für unseren ersten improvisierten Haushalt zu erstehen.
Als erstes fiel mir gleich ein Kleiderständer ins
Auge, an dem ein Ensemble aus schwarzer Spitze zwischen
anderen nicht weniger attraktiven Kleidungsstücken
hing. Gut, angezogen sah es an mir nicht mehr so
toll aus, aber trotzdem immer noch ein Traum für
jemanden, zu dessen Typ es besser passt. Bis zur
Versteigerung, die um 21 Uhr beginnen sollte, hatten
wir noch etwas Zeit, und so schauten wir uns weiter
um. Schöne alte Bilder, Möbel, Leuchter, Lampen,
und auch kuriose Dinge aus dem täglichen Leben Spaniens
in vergangenen Zeiten, wie zum Beispiel die kupferne
Kohlenschüssel, welche, mit glühenden Kohlen gefüllt,
unter den Tisch gestellt wurde, der mit einem langherabfallenden
Tuch bedeckt war, um die Wärme der Kohlen bei den
Beinen und Füssen der am Tisch Sitzenden zu halten.
Ein wunderschönes Bücherbord hatte es mit ebenso
angetan wie ein massiver Deckenleuchter, beide kaum
unterzubringen in meinen eher kleinen Häuschen,
doch gefallen können diese Dinge einem ja trotzdem,
auch wenn man sie nicht zu Hause haben kann. Und
dann der Schmuck: da lag altes, echtes, neben neuerem
Modeschmuck, doch auch der sehr geschmackvoll. Verschiedene
dieser schönen Dinge kamen dann auch in die Versteigerung,
die ein wenig später begann. Insgesamt 42 Posten
waren auf der Liste verzeichnet, sie sollten an
diesem Abend ihren Besitzer wechseln. Ein Teil des
durch diese Versteigerung eingenommenen Geldes sollte
dem kleinen Sean zu gute kommen, einem englischen
Jungen, der mit seinen Eltern seit einiger Zeit
auf Lanzarote wohnt und der vor kurzem bei einem
schweren Autounfall schwer verletzt wurde und seitdem
querschnitt-gelähmt in einer Spezialklinik in Barcelona
liegt.

|
|
 |
|
|
 |
|
Die Listenpreise der zu versteigernden Dinge
gingen bis um 10 Prozent hinunter, manche Dinge
hatten keine vorbestimmten Preise, sie waren
auf der Liste mit "libre" (frei) gekennzeichnet,
und hier machten einige Kunden die besten Schnäppchen.
Alles in allem gesehen, konnte man auf dieser
Versteigerung wirklich schöne Stücke zu sehr
günstigen Preisen erstehen. Wenn ich gekonnt
hätte wie ich wollte, wären an diesem Abend
drei herrliche Ebenholzstühle in meinen Besitz
übergegangen und ein Perlenanhänger mit einem
Brillanten, aber leider konnte ich doch nicht
so, meine innere Stimme hielt mir die Autoversicherung
vor, die demnächst zur Bezahlung ansteht, und
noch so einige Dinge mehr, die auch kaum aufgeschoben
werden können. Ach ja, aber bei der nächsten
Versteigerung, die Anfang Mai wieder am gleichen
Ort stattfindet, habe ich vielleicht den Rücken
frei, sprich: die Brieftasche ein wenig voller,
und vielleicht kann ich mir dann wenigstens
den Perlenanhänger holen, wenn er inzwischen
nicht schon einen anderen Besitzer gefunden
hat.
|
 |
|
|
 |
| |
| |
|
|
|